„Amerika wendet sich ab“: Merz fordert Emanzipation von den USA

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Europa dazu aufgerufen, sich von den USA zu emanzipieren und nicht unnötig klein zu machen. Man erlebe, dass sich die USA von einer regelbasierten Politik zu einer machtzentrierten Politik abwenden, sagte er bei einem Wahlkampfauftritt in Heddesheim bei Mannheim.

„Aber wir dürfen dann doch nicht den Kopf in den Sand stecken und versuchen, in irgendeiner Nische zu überleben“, sagte der Kanzler bei der Veranstaltung mit dem baden-württembergischen CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel. „Diese Rechnung geht nicht auf.“ Um respektiert zu werden, müsse Deutschland lernen, seine Interessen auch wahrzunehmen.

„Was nutzt Kritik, wenn er darauf nicht reagiert?“

„Wir erleben, dass unser wichtigster Verbündeter auf der Welt – und das sind bis heute die Vereinigten Staaten von Amerika – sich abwendet von einer regelbasierten Ordnung“, sagte Merz. Er zeigte sich zunehmend hoffnungslos, noch irgendwie Einfluss auf US-Präsident Trump nehmen zu können. „Was nutzt Kritik, wenn derjenige, dem sie gilt, darauf nicht reagiert, sondern das, was er tut, für richtig hält“, so Merz weiter.

Auch die Amerikaner schauten auf Deutschland. „Aber sie schauen nicht auf uns, wenn wir uns klein machen, wenn wir uns wegducken, sondern sie werden uns nur respektieren, wenn wir Bündnispartner haben in Europa, die mit uns die gleiche Sprache sprechen.“ Dafür müsse man aus einer Position der Stärke heraus argumentieren können, sagte Merz und forderte, die Wirtschaft stärker auf Wettbewerbsfähigkeit auszurichten.

In Deutschland selbst werde man wieder lernen müssen, mehr und länger zu arbeiten, sagte Merz. Man müsse die industrielle Basis erhalten, sonst seien die anstehenden Probleme nicht zu lösen. Man kämpfe in vielerlei Hinsicht um die Zukunft dieses Landes, außenpolitisch wie innenpolitisch. „Wir trauen uns die Lösung der Probleme zu, weil die Lösung dieser Probleme auch in unserer Hand liegt.“ (dpa/Reuters)