Wie gefiel Ihnen der Münchner »Polizeiruf«?

Am Ende dieses vertrackten Falles versuchte die Kommissarin, mit ihrer Weltläufigkeit zu punkten. Cris Blohm (Johanna Wokalek) hatte einst zwei Jahre dabei geholfen, in Kamerun eine Polizeieinheit aufzubauen. Da erhielt sie Einblick in die französischsprachigen Regionen Afrikas. Nun saß sie einem Migranten aus Burkina Faso gegenüber, der die Verantwortung für einen Frauenmord übernommen hatte, den er gar nicht begangen hatte. Burkina Faso hieße übersetzt doch das »Land der aufrechten Menschen«, so die Ermittlerin im Gespräch mit dem Verurteilten. Ihr Gegenüber erwiderte nur trocken: »Was wissen Sie über Gerechtigkeit?«

Der Münchner »Polizeiruf« handelte von sogenannten arrangierten Geständnissen. Gleich in zwei Fällen hatte ein mächtiger Anwalt (Tobias Moretti) Unschuldige, die in Geldnot waren, dazu überredet, gegen Bezahlung Tötungen zu gestehen, für die sie gar nicht verantwortlich waren. Am Ende wurde nichts gut, die Schuldigen kamen ohne Strafe davon.

In unserer Kritik schrieben wir: »Im Laufe der Untersuchungen trifft Blom auf einen Staranwalt, dessen Name August Schellenberg sich perfekt auf einem goldenen Kanzleischild macht, der aber auch verbal zu glänzen versucht. Über den Aperitif scharfzüngelt er vor der Kommissarin über die Relativität von Gerechtigkeit. (...) Tobias Moretti verkörpert den Anwalt als Jura-Jongleur, der sich für die Fadenscheinigkeit seiner Argumente nicht schämt. Die zweifelhafte moralische Verfasstheit des Juristen kann vom Publikum schnell erfasst werden, dafür führt die Figur sehr geschmeidig in die entscheidende Frage: Kann man die Schuld von der Strafe entkoppeln? Kann einer die Sühne für die Verbrechen des anderen übernehmen? Hier gewinnt der über Strecken etwas zu leichtherzige Dostojewski-to-go-Krimi dann doch an Tiefe, weil er die durch den Tauschhandel verbandelten Charaktere ernst nimmt.«

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