Merz könnte sich beliebter machen: Am Büroleiter allein liegt es nicht

Friedrich Merz und seine Rückkehr in die große Politik – seither hat er es schwer. Bis er dann mal CDU-Chef wurde! Bis er endlich – im zweiten Wahlgang – Kanzler wurde! Wer dachte, es würde danach alles besser, wenn er erst einmal alles ist, was er werden will: weit gefehlt. So unbeliebt wie Merz war nur Vorgänger Olaf Scholz, und das am Ende.

ist Editor-at-Large des Tagesspiegels.
Er sagt: Dass Merz seine Abkehr von der Staatsräson vorab nicht ausreichend erklärt hat, nährt Zweifel an ihm.

Stephan-Andreas Casdorff ist Editor-at-Large beim Tagesspiegel. Er wünscht Friedrich Merz ein kluges Umfeld, das ihm als Person und fürs Programm hilft.

Und wie hatte er noch vor nicht allzu langer Zeit geredet! Angela Merkels Politik: „grottenschlecht“. Olaf Scholz im Kanzleramt: „Klempner der Macht“. Alle unfähig, sollte das heißen. Besser ihn mal ranlassen. Nun, die Bundesbürger sind unzufrieden mit ihm, und wie.

Es will einfach nicht besser werden. Im aktuellen Institutionen-Vertrauensranking von Forsa ist das Vertrauen in das Amt des Kanzlers und in die Bundesregierung auf dem Tiefststand der vergangenen beiden Jahre: nur noch 20 Prozent für Merz und 23 Prozent für sein Kabinett.

Das wirkt auf viele so, als sei es nicht nur sehr unruhig in seinem Umfeld, sondern als sei Merz als Chef auch nicht gerade einfach.

Stephan-Andreas Casdorff

Was Wunder, dass Merz auf Abhilfe sinnt. Also trennt er sich von seinem Büroleiter. Ob das alles ändert? Das kann er nicht im Ernst glauben. Ein Büroleiter ist auch immer nur so gut wie die Person, deren Büro geleitet wird. Und am Ende entscheidet der Chef, die Chefin. Da hilft nichts.

Lesermeinungen zum Artikel

„Natürlich liegt die Beliebtheit nicht am Büroleiter, sondern einzig und alleine an Merz und seiner Truppe und an den ganzen, offenbar leeren, Versprechungen die im Wahlkampf gemacht wurden und dazu kommen noch die handwerklichen Fehler - das alles kann nur dazu führen, dass ein Politiker unbeliebt ist. Opposition war einfach, Politik aktiv zu gestalten scheint deutlich schwerer zu sein.“

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Unabhängig davon wird die Personalauswahl von Merz schon länger mit Argusaugen beobachtet, in der Unionsfraktion wie in der Partei. Büroleitung, persönliche Referentin, Leitungsstab, Abteilungsleitung, Leitung Kommunikation – alles herausragend wichtige Positionen, alle neu besetzt.

Das wirkt auf viele so, als sei es nicht nur sehr unruhig in seinem Umfeld, sondern als sei Merz als Chef auch nicht gerade einfach. Auf die Idee kann man kommen.

Vielleicht sollte Merz zwischendurch diesen Werten folgen: Klarheit. Offenheit. Transparenz. Empathie. Wertschätzung. Zwei Werte erfüllt er. Welche? Nicht Empathie und Wertschätzung. Daran könnte er arbeiten.

Denn er braucht schon Leute in den entscheidenden Positionen, die ihm helfen, sein Programm als Kanzler in der Union zu verankern. Und die Bevölkerung von ihm zu überzeugen, vom Programm wie von der Person.