Staatsanwaltschaft gründet Sondertruppe: Berliner Justiz will Verfahren nach Serie an Schüssen bündeln
Die Berliner Justiz reagiert auf die Serie an Schießereien in der Stadt und richtet eine Ermittlungsgruppe „Telum“ (Latein für Waffe) ein. Innerhalb der für „Organisierte Kriminalität“ (OK) zuständigen Abteilung der Staatsanwaltschaft werde diese Ermittlungsgruppe ausschließlich die zu erwartenden Verfahren der „BAO Ferrum“ bearbeiten, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.

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Die „besondere Aufbauorganisation“ (BAO) namens „Ferrum“ für „Eisen“ wurde vergangenen Herbst im Landeskriminalamt eingerichtet. Mit mehr Razzien an Treffpunkten einschlägiger Banden soll der Druck auf jene Kreise erhöht werden, die für die steigende Zahl an Schüssen verantwortlich sein könnten.
Wie berichtet, sollen hinter den Schüssen und Brandstiftungen wohl Schutzgelderpressungen und Revierkämpfe zwischen Drogen- und Waffenhändlern stehen. „Die Zahl entsprechender Verfahren bei der Staatsanwaltschaft steigt an. Gegenstand der Ermittlungen ist nicht nur die Aufklärung der jeweiligen Gewalttat, sondern auch die Aufhellung mutmaßlicher krimineller Strukturen im Hintergrund“, teilte die Justiz mit. Angegriffen würden meist aus der Türkei stammende Gewerbetreibende, die Täter seien mutmaßlich OK-Akteure türkischen und kurdischen Hintergrunds. Die gesamte OK-Abteilung der Staatsanwaltschaft soll personell verstärkt werden.
Die Berliner Polizeipräsidentin, Barbara Slowik Meisel, hatte erst am Montag im Abgeordnetenhaus vor voreiligen Schlüssen gewarnt: „Wir haben keine konkreten Hinweise auf einen Bandenkrieg in dieser Stadt wie in Chicago in den 30er-Jahren.“ Sie warf den Medien vor, viele Fälle zu vermischen und zu übertreiben. Es gebe derzeit keine Hinweise darauf, dass Kriminelle ihre Geschäftsfelder neu verteilten. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sagte, sie unterstütze diese Einschätzung der Polizeipräsidentin.
Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) sprach dagegen unlängst davon, dass „rivalisierende Banden“ auf Berlins Straßen auf Gewalt setzten. Täter würden gezielt aus dem Ausland – gemeint sind wohl die Türkei sowie türkische Exilgemeinden in EU-Staaten – nach Berlin reisen, um Geschäftsleute aus demselben Herkunftsland zu bedrohen.
Die Gewerkschaft der Polizei teilte mit, angesichts der „Welle an gewalttätigen Auseinandersetzungen“ begrüße man den Aufbau der „Telum“-Ermittlungsgruppe in der Staatsanwaltschaft, schon weil dadurch Expertise gebündelt würde.