Vor dem Brandenburger Tor und Russlands Botschaft: Tausende protestieren in Berlin zum Jahrestag des Überfalls auf die Ukraine
Am vierten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine ist am Dienstag in Berlin mit mehreren Veranstaltungen an die Opfer erinnert worden. An einer Demonstration am Abend vom Berliner Lustgarten zum Brandenburger Tor beteiligten sich mehrere Tausend Menschen.

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Die Solidaritätsdemonstration für die Ukraine stand unter dem Motto „Für Europas Zukunft“. Aufgerufen hatte dazu der ukrainisch-deutsche Verein Vitsche. Das Brandenburger Tor wurde am Abend in den Farben der Ukraine in gelb und blau angestrahlt.
„Wir Europäer müssen verstehen, dass Frieden nicht vom Himmel fällt, dass Frieden erkämpft werden muss“, sagte der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev. Er stand dabei auf einer Bühne direkt vor dem Brandenburger Tor, eng umringt von mehr als zwei Dutzend Botschaftern europäischer Länder.
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Makeiev bedankte sich ausdrücklich für Unterstützung aus Deutschland, das inzwischen der wichtigste Unterstützer der Ukraine sei. „Im letzten Jahr haben wir zum ersten Mal deutsche Investitionen in die ukrainische Rüstungsindustrie bekommen“, sagte er. „Und wir bauen Drohnen, die Ziele tief im russischen Territorium erreichen, auch dank deutscher Unterstützung.“ Die Forderung nach mehr Waffen war während der Kundgebung mehrfach zu hören – auf der Bühne und aus dem Kreis der Menschen davor.
Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach zu den Demonstrierenden. „Es geht nicht um Deals, es geht um Werte und Freiheit. Wir glauben fest daran, dass Kiew auch in Zukunft eine freie Stadt sein wird“, sagte Wegner. An den Agressor richtete der Regierende scharfe Worte: „Wir senden ein Signal an Moskau: gebt endlich die ukrainischen Kinder zurück, die ihr entführt habt. Und ja, Putin ist ein Kriegsverbrecher, der zur Verantwortung gezogen werden muss, wenn dieser Krieg vorbei ist.“
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Protestzug führt an Russlands Botschaft vorbei
Nach Angaben der Berliner Polizei nahmen an der Kundgebung rund 5.000 Menschen teil. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer hüllten sich in die Nationalflagge und riefen immer wieder „Slava Ukraini“, auf Deutsch „Ruhm der Ukraine“. Vor der russischen Botschaft, die an der Demonstrationsroute lag, standen zahlreiche Polizisten. „Russland ist ein Terrorstaat“, riefen Demonstrierende vor der Botschaft, die zu diesem Zeitpunkt dunkel war.
Weitere Veranstaltungen am Dienstag waren unter anderem Friedensgebete in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt und in der St. Marienkirche. Unter den Teilnehmern der Andacht in der Französischen Friedrichstadtkirche waren unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Außenminister Johann Wadephul (CDU) und der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev.
Neben einem „stillen Trauerweg“ für die Opfer des Krieges von der ukrainischen zur russischen Botschaft war auch eine Solidaritätsdemonstration unter dem Motto „Nein zum russischen Imperialismus!“ vom Russischen Haus in der Friedrichstraße zum Lustgarten geplant. Das von der russischen Behörde Rossotrudnitschestwo betriebene Gebäude für Wissenschaft und Kultur gilt als Propagandazentrale Russlands. (epd, dpa, cse)