Berliner Traditionshaus KPM zeigt neue Lichtkunst: So wirkt der Stromausfall auch auf dem Ku’damm

Ausgerechnet um Licht sollte es gehen – bei einer neuen Ausstellung der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) im Showroom am Ku’damm. Am Mittwochabend hatte das Berliner Traditionshaus zusammen mit Tadan, einem Kreativ-Trio, das sich mit Inneneinrichtung im weitesten Sinne beschäftigt, zum Neujahrsempfang geladen.

Gefeiert wurde die Premiere der gemeinsamen Unikatserie „Horse Power“, die aus zwei „einzigartigen Leuchten“ besteht, die in ihrer Funktion – also zu leuchten – die Weihnachtslichter am Ku’damm ablösen sollen, um, so wurde es auf der Einladung geschrieben, nicht die Welt, aber das Drama der Form zu erhellen.

Dass am Vormittag desselben Tages auch der Südwesten Berlins nach viertägigem Stromausfall, wieder zu, nun ja, leuchten begann, konnte vorher natürlich keiner wissen, war aber ein dankbares Small-Talk-Thema für die versammelten Fans der edlen Staubfängerei.

Bei allgemeiner Heiterkeit schien es dennoch nur den wenigsten aufzufallen, dass nur eine imposante Lampe auf- und damit ausgestellt wurde. Dort, wo Platz für die angekündigte Zweite freigeräumt wurde, lagen Metallrohre, eine Porzellan-Skulptur und sonstige Utensilien herum. Auf Nachfrage hieß es zunächst: Das soll so.

„Kentaur und Nymphe“ umgeben von Ferrari-Silber „Aluminio Lucido“.

Hintenraus sickerte die Info durch, dass der Ort, an dem die Leuchte in den vergangenen Tagen zusammengeschweißt werden sollte, im Berliner Südwesten liegt. Die einleuchtende Erkenntnis: Für die Herstellung von Lampen braucht es Licht – oder eben eine funktionierende Stromversorgung.

©Ludger Paffrath Courtesy KPM+TADAN_K9A7360
Sebastian Hoffmann, Stella von Senger und Cecil von Renner firmieren unter Tadan und richten unter anderem Wohnungen oder Schaufenster ein.

© Ludger Paffrath/KPM+TADAN

Ausgangspunkt für die beiden Arbeiten, sind zwei historische Stücke des Malers und Grafikers Paul Scheurich (1883–1945) aus den Werkstattarchiven der KPM: „Kentaur und Nymphe“ und „Triton, Nereide umfassend“.

Tadan, so heißt es in der Pressemitteilung, hat diese Figuren aufgrund ihres gestischen Dramas, ihrer Erzählung, ihrer Seltenheit und der Schönheit der Fehlstellen ausgesucht. Die figürlichen Darstellungen ohne funktionalen Nutzen, aber mit einigen Makeln, wurden von Tadan nicht restauriert, sondern in einen neuen Kontext überführt – sprich: zur Lampe umfunktioniert.

Wenigstens das bisher fertiggestellte leuchtende Schmuckstück glänzt jetzt inmitten von Stahl, lackiert in dem Ferrari-Silber „Aluminio Lucido“.

Zu sehen ist das Spektakel noch bis zum 5. Februar im KPM Store auf dem Kurfürstendamm 32. Danach soll das gute Stück für rund 21.000 Euro verkauft werden.

Das Trio Tadan besteht aus Stella von Senger, Sebastian Hoffmann und Cecil von Renner. Seit 2022 beschäftigen sie sich mit Räumen, Kunst und Gegenständen und nennen sich „Decorator“. Das heißt, sie richten zum Beispiel Wohnungen oder Schaufenster ein, bestücken dieselbigen mit Kunst und organisieren Ausstellungen.