„Könnte schlimmer als 2008 werden“: Renommierter Ökonom warnt vor großer Finanzkrise
In einem Gastbeitrag für die „New York Times“ warnt der US-Ökonom Richard Bookstaber vor einem systemischen Risiko, das in seiner Gefährlichkeit die Finanzkrise von 2008 übertreffen könnte.
Bookstaber hat dabei schon einmal recht behalten. In seinem 2007 erschienenen Buch „A Demon of Our Own Design“ warnte der damalige Hedgefonds-Risikomanager vor einem bevorstehenden Finanzkollaps – ein Jahr später begann die schwerste Finanzkrise seit der Großen Depression von 1929. Nun schlägt er erneut Alarm.
Tückisch sei dabei das Zusammenspiel mehrerer scheinbar voneinander unabhängiger Risikofaktoren. Bookstaber nennt den KI-Boom, einen überhitzten Markt für Privatkredite, die geopolitischen Konflikte im Iran und in Taiwan sowie eine extreme Konzentration von Kapital an den Aktienmärkten.
Investoren beginnen, ihr Geld abzuziehen
Für besonders besorgniserregend hält er die Lage am Kreditmarkt. Viele Firmen, insbesondere Software- und Technologieunternehmen, seien heute auf institutionelle Geldgeber angewiesen. Etwa Pensionsfonds, Versicherungen, Staatsfonds oder Stiftungen.
Diese Investoren hätten bereits begonnen, ihr Geld aus den Fonds großer Namen wie BlackRock, Blackstone und Blue Owl abzuziehen. Gleichzeitig treibe der KI-Boom die Bewertungen einer kleinen Gruppe von Tech-Konzernen weiterhin auf extreme Höhen. Zehn Aktien machen derzeit mehr als ein Drittel des gesamten Werts des S&P 500 aus – eine Konzentration ohne historisches Vorbild.
Das eigentlich Neue und Gefährliche ist aus Bookstabers Sicht aber, dass das Finanzsystem dieses Mal an physische Risiken der realen Welt gekoppelt sei, etwa Energieversorgung, Halbleiterlieferketten, geopolitische Verwerfungen. Ein Energiepreisschock infolge des Iran-Krieges trifft bereits jetzt die stromintensiven Rechenzentren der KI-Konzerne.
Eine Blockade Taiwans könnte der Kipppunkt sein
Wenn nun auch noch eine chinesische Blockade Taiwans dazukäme, würde die Halbleiterversorgung abgeschnitten und die KI-Industrie abrupt ausgebremst. Diese hat allein im vergangenen Jahr Anleihen in Höhe von über 100 Milliarden Euro ausgegeben. Ein erheblicher Teil des Ausbaus der KI-Infrastruktur ist schuldenfinanziert. Wenn Refinanzierungen fällig werden und gleichzeitig die Gewinne niedriger ausfallen, als erhofft, kommt es zur Krise.
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Investoren würden Liquidität brauchen – etwa weil Schuldner ihre Kredite nicht mehr begleichen können – und verkaufen, was sie verkaufen können: in erster Linie Aktien. Genau dieser Mechanismus sei auch 2008 der eigentliche Brandbeschleuniger gewesen. Die KI-Konzerne haben mittlerweile also das gesamte Finanzsystem an ihr Schicksal gebunden. „Wenn die Warnsignale in den Marktdaten auftauchen, ist der Schaden längst angerichtet“, warnt Bookstaber.