Fast schon abgeschrieben, jetzt prägend: Vivien Endemann ist die Gewinnerin dieser Länderspiele

Wenn in dieser Woche jemand Eigenwerbung im deutschen Nationalteam betrieben hat, dann Vivien Endemann. Die Fußballerin des VfL Wolfsburg wurde über ein Jahr nicht mehr von Bundestrainer Christian Wück berücksichtigt. In den beiden ersten Spielen der Qualifikation für die WM in Brasilien im nächsten Jahr durfte die 24-Jährige nun zweimal von Beginn an ran und nutzte die Gunst der Stunde.

Nachdem Endemann bereits beim Sieg über Slowenien für Furore gesorgt hatte, indem sie zwei Vorlagen und einen Treffer beisteuerte, setzte sie beim 4:0-Erfolg in Norwegen am Samstagabend nochmal einen drauf. Anfangs scheiterte sie bei ihrem starken Abschluss noch am Pfosten, war dann aber an drei von vier Toren direkt beteiligt.

Es war ein Abend, an dem fast jede Offensivaktion über Endemann lief. Zunächst setzte die Flügelspielerin beim zweiten Tor des Tages Carlotta Wamser mit einem schönen Steckpass in den Strafraum in Szene. Wamser spitzelte den Ball anschließend sehenswert an Norwegens Torhüterin Cecilie Fiskerstrand vorbei. Zwei Minuten später erzielte sie selbst nach Vorarbeit von Nicole Anyomi den 3:0-Pausenstand – praktisch mit dem Abpfiff der ersten Halbzeit.

Wenn ich an das Tor von Jule Brand zum 4:0 denke: Das war ein sehr gut gespielter Pass von Vivien und Jule läuft perfekt ein. Genau das trainieren wir im Moment.

Bundestrainer Christian Wück

Den vierten Treffer von Jule Brand bereitete sie dann wieder mit einem Pass in die Tiefe vor. „Wenn ich an das Tor von Jule Brand zum 4:0 denke: Das war ein sehr gut gespielter Pass von Vivien und Jule läuft perfekt ein“, sagte Trainer Wück. „Genau das trainieren wir im Moment. Das ist das Timing, was wir reinbringen wollen, und es freut mich natürlich, dass sich die Mädels belohnen.“

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Scorerpunkte konnte Vivien Endemann in zwei Länderspielen sammeln.

Sechs Scorerpunkte in zwei Spielen – so viele waren Vivien Endemann in ihren bis dahin 15 Länderspielen nicht mal zusammen gelungen (ein Tor, drei Vorlagen). Und selbst am 1:0 durch Elisa Senß war Endemann in gewisser Weise beteiligt. Weil die Wolfsburgerin mit einer Gegenbewegung weit in die eigene Hälfte den Raum für Außenverteidigerin Franziska Kett freizog, konnte diese von Rebecca Knaak in die Tiefe geschickt werden. Die schlecht geklärte Hereingabe von Kett nutzte schließlich Senß.

Es ist ein Spielzug, den man in dieser Saison oftmals bei Ketts Klub, dem FC Bayern München, beobachten kann. Eigentlich ergänzt sich die 21-Jährige dort perfekt mit Klara Bühl. Vivien Endemann hat jedoch klargemacht, dass sie eine starke Alternative sein kann.

Endemann stagnierte in ihrer Entwicklung

Das war allerdings nicht immer so. Endemann galt schon in ihren ersten Jahren in der Bundesliga bei der SGS Essen und im Nationalteam als großes Talent, konnte dieser Erwartung aber oftmals nicht gerecht werden.

Nach ihrem Wechsel zu Wolfsburg im Juli 2023 und einer starken Debütsaison folgte eine Phase, in der sie an deutlich weniger Toren beteiligt war und kaum ein Spiel über 90 Minuten bestritt. Im A-Nationalteam reichte es derweil nur noch für zwei Kurzeinsätze in der Nations League im Februar 2025, danach wurde sie lediglich für die U 23 nominiert.

Während die 24-Jährige beim VfL in dieser Saison vom Abgang Jule Brands zu Olympique Lyon profitiert, nutzte sie nun die Einsatzzeit, die sich aus der verletzungsbedingten Abreise Klara Bühls ergab. Die Münchnerin zog sich im Training beim Nationalteam eine Muskel-Sehnenverletzung in der Wade zu und wird mehrere Wochen ausfallen.

Vivien Endemann belebte das Offensivspiel Deutschlands mit ihrer Spielfreude, ihrem Tempo und den mutigen Dribblings enorm. Sie überzeugte zudem mit einer Abschlussstärke, die den DFB-Frauen zuletzt meist gefehlt hatte.

Wenn die Konkurrenz auf der eigenen Position eine Spielerin von Weltklasseformat ist, wie das bei Klara Bühl der Fall ist, könnten die Aussichten auf viele Spielminuten im Nationalteam sicher besser sein. Endemann hat Bundestrainer Wück dennoch eindrucksvoll bewiesen, dass mit ihr wieder zu rechnen ist – und sie im Nationalteam mehr ist als eine Notlösung.