Viel Geld für keine Leistung: Der VfL Wolfsburg hat sich den Abstieg redlich verdient
Die Fußball-Bundesliga ist in den vergangenen Jahren ein ziemlich vorhersehbarer Wettbewerb geworden. Meister wird – immer, immer, immer – der FC Bayern München. In diesem Jahr zum 13. Mal in den vergangenen 14 Jahren. Und absteigen wird – nie, nie, nie – der VfL Wolfsburg. Beides hat vor allem mit Geld zu tun.
Sowohl die Bayern als auch der VfL haben davon deutlich mehr zur Verfügung als ihre direkte Konkurrenz. Der entscheidende Unterschied ist, dass die Münchner sich das Geld durch ihren sportlichen Erfolg tatsächlich verdient haben, während der VfL vor allem von den Transferleistungen seines Gesellschafters Volkswagen lebt.
In den vergangenen zehn Jahren haben die Wolfsburger ein Transferminus von rund 200 Millionen Euro erzielt. Und das alles nur, um sich in dieser Zeit einmal für die Europa League zu qualifizieren, einmal für die Champions League – und in den meisten anderen Jahren im Abstiegskampf einen uneinholbaren Wettbewerbsvorteil gegenüber Klubs wie Mainz, Bremen oder Augsburg zu haben.
Stefan Hermanns berichtet beim Tagesspiegel über Fußball. Er war in Wolfsburg im Stadion, als der VfL sich 2006 am letzten Spieltag vor dem Abstieg rettete und 2009 Deutscher Meister wurde.
Allein in diesem Winter hat der VfL mal eben 27 Millionen Euro für vier neue Spieler ausgegeben. Der Effekt: gleich null. Beziehungsweise: Es ist tatsächlich noch schlechter geworden. Inzwischen sind die Wolfsburger in der Bundesliga auf dem vorletzten Tabellenplatz angekommen.
Idealerweise soll der VfL ein Werbeträger für die Volkswagen AG sein. Deshalb pumpt der Autokonzern so viel Geld in seine 100-prozentige Tochter. Bei nüchterner Betrachtung aber sind die Fußballer längst geschäftsschädigend. Leistung muss sich wieder lohnen? Die Spieler des VfL beweisen seit Jahren, dass man auch bei Nicht-Leistung ordentlich absahnen kann.
Das allgemeine Mitleid mit dem Klub hält sich daher berechtigterweise in Grenzen. Der Absturz des VfL wird mit gar nicht mal so heimlicher Freude begleitet. Die meisten Fußballfans hoffen sogar, dass es ihn in dieser Saison endlich erwischt, nachdem er sich im vergangenen Jahrzehnt zweimal in der Relegation noch hatte retten können.
Dass Dieter Hecking nun als Trainer zurückkehrt, schmälert die Hoffnung ein wenig. Hecking hat mit dem VfL 2015 nicht nur den vorerst letzten nationalen Titel gewonnen. Er ist auch bekannt dafür, dass er taumelnde Mannschaften stabilisieren kann. So wie er das in der vergangenen Saison beim VfL Bochum getan hat. Abgestiegen ist er am Ende trotzdem, weil die Aufgabe selbst für ihn zu groß war.
Und in Wolfsburg? Gibt es trotz Hecking noch Hoffnung, dass der VfL endlich absteigt? Ein Selbstläufer, wie es zuletzt schien, wird es wohl nicht. Aber selbst in der Bundesliga, in der alles so vorhersehbar geworden ist, schaffen es nicht mal die Bayern, immer, immer, immer Meister zu werden. Vor zwei Jahren hat Bayer Leverkusen den Titel geholt.