Auch dank Elfmeter nach VAR-Sabotage durch Vermummte: Hertha BSC siegt 2:1 bei Preußen Münster
Felix Bickel sah schwarz. Oder besser: Bickel, der Schiedsrichter der Partie zwischen Preußen Münster und Hertha BSC, sah nur schwarz, als er kurz vor der Pause auf dem Bildschirm am Spielfeldrand eine strittige Szene begutachten wollte.
Auf dem Monitor war nichts zu sehen. Ein vermummter Preußen-Fans hatte dem Bildschirm den Stecker gezogen und damit die Stromversorgung unterbrochen – so wie es auf einem Banner im Fanblock angekündigt worden war.
Bickel musste sich notgedrungen auf das Urteil seiner Videoassistentin in Köln verlassen. Das tat er auch. Katrin Rafalski hatte auf den Fernsehbildern das gesehen, was Bickel in Originalgeschwindigkeit entgangen war. Einen Tritt von Münsters Verteidiger Niko Koulis gegen das Schienbein von Michael Cuisance. Es gab Elfmeter für Hertha BSC. Fabian Reese verwandelte zum 1:0.
„Das geht einfach nicht“, sagte Stefan Leitl, der Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten, im Interview bei Sky zur Sabotageaktion aus dem Münsteraner Fanblock. „Man kann die Technik mögen. Man kann sie nicht mögen. Aber man muss dafür sorgen, dass solche Dinge nicht passieren.“
Dass sein Team im Auswärtsspiel bei Preußen Münster am Sonntagnachmittag einen Elfmeter zur Führung benötigte, verschleierte ein wenig, wie sehr die Gäste bis zu diesem Zeitpunkt die Begegnung dominiert hatten. Am Ende aber konnte Hertha nur mit etwas Glück einen 2:1 (1:0)-Erfolg in Münster sichern. Der eingewechselte Marten Winkler erzielte den entscheidenden Treffer in der dritten Minute der vierminütigen Nachspielzeit, nachdem er kurz zuvor eine riesige Chance kläglich vergeben hatte.
In der Tabelle rückte Hertha durch den Sieg auf Platz sechs vor. Der Abstand auf den Relegationsplatz beträgt jedoch weiterhin acht Punkte, der auf Rang zwei hat sich von neun auf acht Zähler verringert. Das nur der Vollständigkeit halber.
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Leitl hatte nach dem Heimsieg gegen den 1. FC Nürnberg in der Woche nur eine personelle Änderung vor. Cuisance kehrte ins Team zurück und ersetzte Jeremy Dudziak auf der Zehnerposition. Sonst vertraute Herthas Trainer der gleichen Elf.
Es war das dritte Mal, dass beide Teams in dieser Saison aufeinandertrafen. Im vergangenen Sommer hatten sich Hertha und Preußen bereits in der ersten Runde des DFB-Pokals gegenübergestanden. Da konnten sich die Berliner nur mit viel Glück und dank der besseren Nerven im Elfmeterschießen durchsetzen. Dank eigener Unzulänglichkeiten hatten sie die Preußen wie den FC Barcelona in ihrer Hoch-Zeit aussehen lassen.
Preußen Münster - Hertha BSC 1:2 (0:1)
Münster: Schenk - ter Horst, Heuer (74. Paetow), Koulis, Meyerhöfer - Preißinger (46. Benger) - Schulz (62. Bouchama), Hendrix - Yamada (46. Mees) - Rondic (62. Vilhelmsson), Batista Meier
Hertha: Ernst - Karbownik (81. Eitschberger), Gechter, Dardai, Kolbe - Sessa (60. Mamuzah Lum), Seguin - Reese (72. Winkler), Cuisance (82. Dudziak), Brekalo - Kownacki (72. Schuler)
Zuschauer: 10.642 (ausverkauft). Tore: 0:1 Reese (45.+4/Foulelfmeter), 1:1 Heuer (46.), 1:2 Winkler (90.+3).
Das war am Sonntag anders. Hertha startete dominant ins Spiel, mit zwei Ecken in den ersten drei Minuten. Die Gäste attackierten früh und energisch und ließen die Münsteraner nie in ihr gewohntes Ballbesitzspiel kommen. Das Geschehen spielte sich zumeist in der Hälfte der Preußen ab.
Allein klare Torchancen fehlten Hertha. Josip Brekalo, Doppeltorschütze beim 2:1-Sieg gegen Nürnberg und auch in Münster wieder einer der auffälligsten Berliner, traf in der Anfangsphase das Außennetz; Mitte der ersten Hälfte ging sein Versuch knapp am Tor vorbei, nachdem er von links ins Zentrum gezogen war und mit rechts abgeschlossen hatte.
Zur Pause hatte Hertha ein deutliches Plus beim Ballbesitz, bei den gewonnenen Zweikämpfen, der Passquote und den Torschüssen. Dass die Gäste auch mit einer Führung in die Halbzeit gingen, hatten sie der Intervention aus Köln zu verdanken.
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Die Berliner konnten es gar nicht glauben, dass Schiedsrichter Bickel nach dem Zweikampf zwischen Koulis und Cuisance hatte weiterspielen lassen. Der Franzose blieb zunächst liegen. Nachdem er sich wieder aufgerappelt hatte, zog er seine Stutzen herunter und zeigte den Stollenabdruck auf seinem Schienbein. Nach mehrminütiger Unterbrechung gab es den Elfmeter für die Berliner.
Reese verwandelte sicher, traf im vierten Versuch zum vierten Mal vom Punkt. Insgesamt ist er mit sieben Saisontreffern Herthas bester Torschütze (gemeinsam mit Luca Schuler). Am kommenden Wochenende, im Heimspiel gegen den VfL Bochum, aber wird Trainer Leitl auf die Dienste seines Kapitäns verzichten. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte sah Reese seine fünfte Gelbe Karte.
Nach der enttäuschenden ersten Hälfte seines Teams musste Münsters Trainer Alexander Ende reagieren. Zur Pause wechselte er zweimal, und nicht nur deshalb trat die Heimmannschaft nun ganz anders auf.
Die zweite Halbzeit war gerade erst angepfiffen, als die Münsteraner ihre erste Ecke des Spiels bekamen. Oliver Batista Meier brachte den Ball in die Mitte, Janis Heuer setzte sich gegen Dawid Kownacki durch und lenkte den Ball zum 1:1 ins Berliner Tor.
Auch in der Folge konnte Münster den Berlinern mehr entgegensetzen als in der ersten Halbzeit. Die Partie war nun deutlich ausgeglichener als vor der Pause. Leitl versuchte es 20 Minuten vor dem Ende mit seinem zweiten Sturm. Er brachte Luca Schuler und Marten Winkler für Reese und Kownacki. Eine gute Entscheidung, wie sich in der vorletzten Minute der Nachspielzeit zeigte.