Verlängerungskrimi im Pokalhalbfinale: Alba Berlin bringt die Sömmeringhalle zur Ekstase

Beim Top Four der Männer vor einer Woche in München fand am Vorabend eine Legends Night mit allerlei bekannten Gesichtern aus dem deutschen Basketball statt. Bei der Pokalendrunde der Frauen in der altehrwürdigen Sömmeringhalle war alles etwas kleiner, doch Prominenz war am Spielfeldrand ebenfalls reichlich zu sehen.

Nationalmannschaftskapitänin Marie Gülich war ebenso anwesend wie die frühere DBB-Spielerin Ireti Amojo und Beate Wagner, Mutter der NBA-Stars Moritz und Franz. Eine Reihe dahinter saß Rekordnationalspieler Patrick Femerling neben seinem langjährigen Weggefährten Mithat Demirel. Dazu kamen die Spitzen von Liga, Verband sowie Klubs und damit auch Olympiasiegerin Svenja Brunckhorst, Albas Managerin für die Frauen- und Mädchenabteilung.

Sie alle und die rund 2170 Fans bekamen bereits einen Vorgeschmack auf das große Basketballhighlight dieses Jahres, die WM der Frauen im September in Berlin. Im Foyer der Halle glitzerte die Trophäe für die künftigen Weltmeisterinnen golden.

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An diesem Samstag standen aber erst mal die Halbfinals im deutschen Pokal im Fokus. Wie schon im Vorjahr spielte Gastgeber Alba gegen die Saarlouis Royals, doch dieses Mal schafften es die Berlinerinnen ins Finale. Durch das 71:67 (20:11, 18:16, 11:12, 9:19/13:9) nach Verlängerung steht Alba zum ersten Mal im Pokalfinale. Dort geht es am Sonntag (16 Uhr) gegen Meister Keltern oder Marburg. „Nach diesem Spiel ist zu Hause vor unseren Fans alles möglich“, sagte Alina Hartmann, die mit 18 Punkten Albas beste Werferin war.

Trainer Cristo Cabrera hatte bis auf die verletzte Leonie Kreyenfeld den gesamten Kader zur Verfügung. Die Berlinerinnen tun sich in dieser Saison noch recht schwer, doch am Samstag war ihnen anzumerken, was für eine große Bedeutung der Pokal in der eigenen Halle für sie hat.

Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten übernahm Alba schnell die Kontrolle. Mit viel Einsatz und Vorteilen beim Rebound erarbeiteten sie sich immer wieder zweite Chancen. Offensiv profitierten die Berlinerinnen davon, dass Hartmann in der ersten Hälfte unheimlich effektiv spielte.

Top Four in der Charlottenburger Sömmeringhalle

Halbfinale am Samstag

  • Saarlouis Royals – Alba Berlin 67:71
  • BC Marburg – Stars Keltern (18 Uhr)

Finalspiele am Sonntag

  • Spiel um Platz 3 (13 Uhr)
  • Finale (16 Uhr)

Vor den Augen von Bundestrainer Olaf Lange betrieb sie in Hinblick auf die WM starke Eigenwerbung und zeigte, dass sie nach ihrer langen Verletzungspause auf gutem Weg zu alter Stärke ist. In ihren ersten fünf Minuten auf dem Feld erzielte sie elf Punkte und hatte damit zu diesem Zeitpunkt genauso viele auf dem Konto wie das gesamte Team aus Saarlouis.

In einem punktearmen Spiel zog Alba langsam davon und führte im zweiten Viertel bereits mit 32:17. Doch die Berlinerinnen waren aus dem Vorjahr, als sie nach 17-Punkte-Führung noch verloren hatten, gewarnt. Wie damals gaben sich die Saarländerinnen nicht auf. Mal kamen sie wieder in den einstelligen Bereich heran, dann antwortete Alba. „Wir wussten, dass sie zurückkommen. Wir sind oft an Saarlouis gescheitert, aber heute haben wir gezeigt, dass wir daraus gelernt haben“, sagte Albas Kapitänin Lena Gohlisch.

Das Publikum, in dem sehr viele Mädchen begeistert mitfieberten, ging voll mit. Die mitgereisten Fans aus Saarlouis trommelten und tröteten gegen die Berliner Übermacht an, Albas Anhänger hauten auf ihre Klatschpappen, schrien und pfiffen.

Es war eine würdige Stimmung für ein Pokalhalbfinale, und wenn es den Organisatoren und Fans gelingt, diese Begeisterung auch im Sommer in die deutlich größeren Spielstätten zu transportieren, wird die WM ein Basketballfest.

Im Schlussviertel stand das Spiel auf Messers Schneide. Saarlouis kam immer näher heran und beide Mannschaften kämpften an der Freiwurflinie mit ihren Nerven. 50 Sekunden vor Schluss glichen die Gäste aus, Alba hatte die Chance auf den Sieg, doch Hartmann fehlten gleich dreimal nur wenige Zentimeter.

So ging es in die Verlängerung und das Momentum sprach klar für Saarlouis. Doch im Gegensatz zum Vorjahr setzte sich Alba in einem echten Basketballkrimi durch und spielt am Sonntag zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte um den Pokal.