Trüber Tag, strahlender Abend und sieben Sundowner-Spots: Saharastaub kann Berlin zum Leuchten bringen
Über Berlin liegt am Sonntagvormittag ein milchiger Schleier, der den Himmel matter erscheinen lässt als gewohnt. Was wie lang anhaltender Dunst wirkt, ist eine Folge von Saharastaub in der Atmosphäre. Dieser könnte am Abend erneut für Staunen sorgen, und zwar aus rein physikalischen Gründen: Wenn Sonnenlicht auf die feinen Staubpartikel in der Atmosphäre trifft, werden bestimmte Wellenlängen des Lichts stärker gestreut als andere. Kurzwelliges, blaues Licht wird dabei weitgehend herausgefiltert, während langwelliges rotes, oranges und rosafarbenes Licht die Atmosphäre besser durchdringt und unsere Augen erreicht.

Der schnellste Berlin-Überblick von Montag bis Samstag.
Je mehr Staubpartikel in der Luft sind, desto länger ist der Weg, den das Sonnenlicht durch die Atmosphäre zurücklegen muss – besonders in den flachen Winkeln bei Sonnenauf- und -untergang. Das Ergebnis: Der Himmel leuchtet in tiefen, satten Tönen, die ohne den Staub in dieser Intensität nicht möglich wären.
Und so könnte Berlin um die Zeit des Sonnenuntergangs – aktuell gegen 18 Uhr – rot leuchten.
Auch nach dem eigentlichen Sonnenuntergang bleibt der Himmel bei viel Saharastaub länger gefärbt. Dieses Nachglühen, das sogenannte Nachleuchten, ist bei erhöhter Staubkonzentration besonders ausgeprägt und kann den Abendhimmel noch Minuten nach dem Verschwinden der Sonne in warme Farben tauchen.
Hier lässt sich ein Sonnenuntergang passabel beobachten
- Flakturm im Volkspark Humboldthain: Das Dach dieses Relikts aus dem Zweiten Weltkrieg bietet eine einzigartige Aussicht über den Norden Berlins – besonders zur goldenen Stunde ein beeindruckendes Erlebnis.
- Müggelsee: Über dem Müggelsee taucht die Sonne weit hinten unter – fernab vom Stadttrubel.
- Klunkerkranich: Die Dachterrasse auf einem Parkhaus in Neukölln ist seit diesem Wochenende wieder geöffnet. Sie bietet einen tollen Blick über die südliche Innenstadt und Kreuzberg.
- Tempelhofer Feld: Die riesige offene Fläche des ehemaligen Flughafens bietet einen unverstellten Horizont – perfekt, um den Sonnenuntergang in seiner ganzen Breite zu genießen, ganz ohne Hindernisse.
- Fernsehturm am Alexanderplatz: Ja okay, dieser Tipp ist wohl eigentlich unnötig: Kein Berlin-Tourist und erst recht kein Berliner wird den Fernsehturm ausklammern können, wenn er einen hohen Aussichtspunkt sucht. Der 360°-Panoramablick über ganz Berlin ist spektakulär – und ideal, um die Sonne über den Dächern der Metropole versinken zu sehen.
- Viktoriapark: Ein künstlich angelegter Wasserfall und ein Blick auf Kreuzberg, Mitte und das Tempelhofer Feld – der Berliner braucht oft nicht mehr.
- Teufelsberg in Grunewald: Der ehemalige Trümmerberg im Westen Berlins gehört zu den besten Spots überhaupt. Von oben reicht der Blick weit über die Stadt und in die Brandenburger Weite.
Saharastaub ist gar nicht so selten
Saharastaub in der Luft ist laut DWD in Mitteleuropa kein seltenes Naturphänomen. Die Staubpartikel werden demnach im Jahr etwa fünf bis 15-mal nach Europa getragen. Der Staub wird in der größten Trockenwüste der Welt in Nordafrika aufgewirbelt, und der Wind kann die feinen Partikel Tausende Kilometer weit nach Norden tragen. Das passiert vor allem im Frühjahr und im Herbst.
Und so schön das Phänomen auch ist, hat Saharastaub auch seine Schattenseiten. Die Feinstaubbelastung in der Luft steigt an, was besonders für Menschen mit Atemwegserkrankungen oder Allergien problematisch sein kann. Auch Sonnenkollektoren und Solarpanels arbeiten an solchen Tagen nicht so effizient wie gewohnt, weil weniger direkte Sonnenstrahlung die Erdoberfläche erreicht.