Demonstration in Berlin nach Angriffen im Iran: „Wir danken Trump, wir danken Bibi Netanjahu“
Nach der jüngsten Eskalation in Nahost haben in Berlin mehr als tausend Menschen an einer Iran-Demonstration teilgenommen. Am frühen Abend waren es rund 1600 Teilnehmer, wie eine Sprecherin der Polizei sagte. Das sind rund die Hälfte weniger als zuvor angemeldet. Allerdings laufe die Kundgebung noch und es könne weiteren Zustrom geben, so die Sprecherin. Bislang sei die Versammlung friedlich und störungsfrei verlaufen.
Israel und die USA hatten am frühen Morgen koordinierte Raketenangriffe gegen Ziele im Iran gestartet. Teheran griff im Gegenzug mehrere US-Militärstützpunkte in der Golfregion an.
Ursprünglich waren 3000 Teilnehmer zur Demonstration für „Freiheit für Iran“ angemeldet – aufgrund der jüngsten Ereignisse war die Polizei am Vormittag zudem von einer höheren Teilnehmerzahl ausgegangen. Die Kundgebung startete am Nachmittag am Potsdamer Platz und soll am Brandenburger Tor enden. Auf der Plattform X teilte die Polizei mit, dass sie mit rund 450 Polizisten in Mitte im Einsatz sei.
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Unter den Teilnehmern der Demo sind auch die beiden Iraner Amir und Kurosh. Sie sind am Samstagnachmittag zum Potsdamer Platz gekommen, um für einen Neuanfang im Iran zu demonstrieren. Als über den Lautsprecher verlautbart wird, dass angeblich auch Ali Chamenei getötet worden sein soll, bricht in der Masse von rund 300 Menschen Jubel aus. „Doch bestätigt wurde das noch nicht“, sagt Kurosh. Er lebt bereits seit 40 Jahren nicht mehr im Iran und auch seine Verwandten leben mittlerweile in Kanada und den USA. Ali Chamenei ist das politische und religiöse Oberhaupt des Irans. Sein Verbleib ist zurzeit unklar.
Viele persische Sprechchöre werden angestimmt, zuweilen tanzen die Menschen. Auf dem Podium gibt eine Trommel den Takt vor, immer wieder ertönt der Name Reza Pahlavis. Der Sohn des letzten Schahs will den Iran in die Freiheit führen. Auch US-Präsident Donald Trump wird bejubelt. Im Verlauf der Demonstration wird „Bibi thank you“ skandiert – ein Dank an Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.
Hoffnung und Freude bei Demo-Teilnehmern
Eine Teilnehmerin der Demonstration sagt dem Tagesspiegel, sie sei „zufrieden“ mit den Angriffen. „Ich bin mir sicher, dass wir Iran noch mal aufbauen können, nachdem dieses Regime weg ist“, erklärt sie.
Auch bei Romin Parvardeh überwiegt die Freude über die Angriffe. Der 32-jährige Iraner lebt seit vier Jahren in Deutschland. „Meine ganze Familie ist im Iran. Alle meine Freunde und Verwandten unterstützen den Angriff, weil das iranische Regime so brutal ist“, erzählt er. Sein Land sei auf ausländische Hilfe angewiesen.
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Ähnlich sieht es die Iranerin Bahareh Oraie Mohasel. „Wir sind heute hier, weil wir unser Land nach 47 Jahren befreien wollen“, sagt Mohasel, die 2016 nach Deutschland kam. Die Iraner seien dafür, dass die USA einschreiten. Hunderttausende Menschen hätten ihr Leben auf den Straßen verloren im Kampf gegen das brutale Regime. „Unsere letzte Hoffnung ist, dass die Amerikaner unser Land jetzt befreien“, sagt Mohasel. „Wir möchten keine Mullahs mehr haben.“
Der 23-jährige Alex Serani, Sohn geflüchteter Iraner, wünscht sich, dass eine Übergangsregierung unter Reza Pahlavi die Demokratie im Iran einführt. Viele Demonstranten seien glücklich, über die noch unbestätigte Nachricht vom Tode Chameneis. „Wir hoffen, dass es stimmt“, sagt er. Serani wünscht sich Menschenrechte und eine stabile Demokratie für den Iran.
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Haleh Agandj lebt seit 23 Jahren im Exil in Berlin. Über die Angriffe sagt sie: „Das war unsere Hoffnung, das war unser Wunsch, das war unser Wille. Wir danken Trump, wir danken Bibi Netanjahu. Wir sind voller Hoffnung, dass Iran endlich frei wird.“
Trotz der Freudenstimmung unter allen Teilnehmenden, wollen viele Demonstrierende nicht mit dem Tagesspiegel sprechen. Zu groß ist die Angst vor Repressalien im Iran.
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Nach der Auftaktkundgebung zieht der Demonstrationszug durch Mitte. Immer mehr Menschen schließen sich an, auch mehrere Kundgebungswagen sind unterwegs. Viele Menschen tragen die iranische Flagge aus der Zeit vor der Islamischen Revolution – sie zeigt einen Löwen mit einem Schwert; auch US- und Israelflaggen sind zu sehen. Immer wieder zeigen die Demonstrierenden mit ihren Fingern das Victory-Zeichen. Das Symbol gilt im Iran als Zeichen des Widerstands. Vor dem Friedrichstadtpalast wird lautstark die Abschaffung der Mullahs gefordert.
Weitere Demos in Berlin
Zudem gab es in Berlin weitere Versammlungen zur Lage im Iran. An einer Demonstration am Neptunbrunnen in der Nähe des Roten Rathauses nahmen nach Polizeiangaben in der Spitze 160 Menschen teil. Auch an der Botschaft Irans in Dahlem gab es eine Versammlung, an der rund 30 Menschen teilnahmen. Dabei habe ein Mann, der kein Versammlungsteilnehmer gewesen sei, versucht, mit einer Flagge über den Zaun der Botschaft zu klettern. Polizeikräfte hätten ihn jedoch daran gehindert, sagte die Polizeisprecherin.
Israel hat nach eigenen Angaben einen Präventivschlag gegen den Iran gestartet, um Bedrohungen für Israel zu beseitigen. Die USA haben parallel umfangreiche Luft- und Seeangriffe begonnen, die mehrere Tage dauern könnten. In Teheran wurden am Samstag Explosionen und dichte Rauchsäulen gemeldet, auch in der Nähe zentraler Regierungs- und Führungseinrichtungen.
Direkt nach Beginn der israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran drohte dessen Militär bereits mit Gegenschlägen. In vielen Teilen Israels und des Westjordanlands gab es immer wieder Luftalarm wegen anfliegender Raketen und Geschosse. Sirenen heulten in Tel Aviv, in Jerusalem und in der Negev-Wüste, wie die Nachrichtenseite Ynet berichtete. (mit dpa)