„Bitte kommt nicht mehr“ : Neonazi-Aktion in Kreuzberg geht nach hinten los
Am Donnerstagvormittag war man noch euphorisch: „Du willst dabei sein?“, fragte die rechtsextreme Gruppe „Berliner Jugend“ auf ihrem Instagram-Kanal. Es sei eine „Aktion gegen Links“ geplant, Details seien per Direktnachricht zu erfahren. Ein paar Stunden später plötzlich der Stimmungswandel: „Bitte kommt nicht mehr“, schrieb die „Berliner Jugend“ fast flehend auf Instagram, gleich drei Ausrufezeichen finden sich hinter der Aufforderung.

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Ziel der jungen Rechtsextremen war offenbar eine Provokation am Rande einer linken Demonstration, die am Donnerstagabend vom Kreuzberger Oranienplatz zum Auswärtigen Amt in Mitte zog. Der Demonstrationszug war unter dem Titel „Freiheit für Maja! Freiheit für alle Antifaschist:innen!“ angemeldet.
Kurz nach 18 Uhr sei der Polizei eine Auseinandersetzung zwischen zwei Personengruppen am Moritzplatz gemeldet worden. Etwa 20 Personen sollen daran beteiligt gewesen sein, hieß es von der Polizei auf Anfrage.
„Wir wurden grundlos von Antifaschisten angegriffen“, schrieben die Neonazis auf Instagram. Man habe lediglich an einer Haltestelle auf den Bus gewartet, als die Angreifer von „hinten“ angegriffen hätten. Dabei sei angeblich auch Pfefferspray eingesetzt worden. „Sie standen mit Messern vor uns“, schrieben die Rechtsextremen.
© Lionel Kreglinger
Deutlich unspektakulärer klingt hingegen die Schilderung der Polizei. Nachdem die Einsatzkräfte vor Ort Videomaterial gesichtet und Zeugenaussagen aufgenommen hatten, habe man festgestellt, dass die Auseinandersetzung sehr viel harmloser abgelaufen sei als zunächst geschildert, sagte eine Sprecherin. Es sei auch unklar, von wem die Auseinandersetzung ausgegangen sei.
Auch von einem Messer ist nicht die Rede. Die Polizei ermittelt in zwei Fällen wegen gefährlicher Körperverletzung. Zudem kam es während des Einsatzes zu einem Angriff auf einen Vollstreckungsbeamten. Insgesamt wurden 19 Freiheitsbeschränkungen durchgeführt, drei Personen wurden festgenommen. Unklar ist, ob es sich um Personen aus der rechten oder linken Szene handelte.
Bei der „Berliner Jugend“ handelt es sich um eine der zahlreichen neu entstandenen rechtsextremen Jugendgruppen im Raum Berlin/Brandenburg. Einzelne Mitglieder waren zuvor in ähnlichen Gruppierungen wie der gewaltbereiten „Deutschen Jugend Voran“ aktiv. Einer der führenden Köpfe der „Berliner Jugend“ saß in jüngster Vergangenheit für einige Wochen in Haft.